Stadtführung durch Harsewinkel
Alle vierten Klassen aller Harsewinkeler Grundschulen wurden in der 38. Kalenderwoche von der Stadt Harsewinkel zu einer Zeitreise durch die Innenstadt eingeladen.
Der Stadtarchivar Eckhard Möller und sieben Stadtführer/innen schlüpften in die Rollen von bedeutenden Persönlichkeiten der Stadthistorie, die vor ca. 100 Jahren gelebt haben. An sieben geschichtsträchtigen Stationen wurde den Kindern eine Heimatgeschichte zum Anfassen präsentiert.

- Bevor der Rundgang starten konnte wurden alle weiblichen Teilnehmer mit den damals typischen Hauben und die männlichen Teilnehmer mit Zylinder ausgestattet. Diese erhielten sie im Rathaus, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man sich vor 100 Jahren kleidete. Der Rundgang startete direkt vor dem Rathaus mit Harsewinkels Symbolfigur - dem Spökenkieker. Diesen Namen erhielt seinerzeit der Schäfer Anton Westermann, weil man ihm das "zweite Gesicht" voraussagte.

- Helmut Buchmann spielte den Spöken-kieker und erklärte den Schülern warum er diesen Namen erhielt.

- Eine Nachbildung des Spökenkiekers finden man direkt vor dem Rathaus.

- Auf dem Marktplatz erwartete uns der Bürgermeister Wendland, standes-gemäß gekleidet mit Frack und Zylinder. Der Bürgermeister wurde gespielt von Heinrich de Byl. Eduard Wendland wurde schon im Alter von 25 Jahren Bürgermeister von Harsewinkel.

- Er ließ sich das erste mehrstöckige Steinhaus in dem damals verschlafenen Ort mit gerade 1000 Einwohnern bauen. In seinem früheren Wohnsitz mit Amtsstube befindet sich heute das Modegeschäft "Collins".

- Seitlich am Haus ist eine Tafel mit dem Baujahr des Hauses angebracht (1820).

- Eduard Wendland war von 1818 bis 1846 Bürgermeister von Harsewinkel.

- Der Rundgang führte die Schüler weiter zum Gasthof Wilhalm, wo Dietlind Brödel-Waschke als Gastwirtin Anna Maria Koch aus alten Tagen plauderte. Sie erzählte uns wie das Ehepaar Koch im heutigen Restaurant und Hotel Wilhalm gearbeitet hat. Damals lag der Gasthof an zwei bedeutenden Durchgangsstraßen, denn die heutige Bundesstraße 513 gab es noch nicht. Damals gab es auch noch keine Autos sondern die Reisenden waren mit Pferd und Kutsche unterwegs und freuten sich bei Kochs eine Rast einlegen zu können.

- Nach einem etwas längeren Marsch vom Gasthof Wilhalm entang der Dr. Pieke-Straße, durch den Kreisel bei Schlecker, bogen wir beim Friedhof in den Budde Weg und kamen zum Krankenhaus St. Lucia. Dort empfing uns die Schwester Oberin Benevenuta, gespielt von Petra Loerchner. Sie kam 1899 mit zwei weiteren Ordensschwestern nach Harsewinkel, um die Pflege der Patienten im neuen Krankenhaus zu übernehmen. Anfangs noch ohne Strom und fließend Wasser, was für die Schüler unvorstellbar war.

- Bernhard Kruk spielte sehr eindrucksvoll den unvergessenen Pfarrdechant Gerhard Heinrich Hüntmann, der seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts über Jahrzehnte seelsorgerisch in Harsewinkel tätig war.

- Besonders dramatisch wurde es, als Kruk auf den denkwürdigen 24. September 1858 zu sprechen kam. Denn an diesem Tag stürzte der alte Lucia-Kirchturm unter lautem Knacken und Bersten in einer Staubwolke ein.

- Monika Kuhnke schlüpfte am Brunnen neben der St. Lucia Kirche sehr überzeugend in die Rolle von Hedwig Beerkotte, die bis zu ihrer Pensionierung 1976 als engagierte Lehrerin einen festen Platz in Harsewinkels Stadtgeschichte eingenommen hat.

- Vor 100 Jahren wurden Lehrerinnen als "Fräulein" bezeichnet und das Eingehen einer Ehe war ihnen verboten. Die Lehrerin Beerkotte hinterließ ihr Vermögen der Stadt Harsewinkel mit dem Vermerk, dafür etwas für Kinder anzuschaffen. Und so wurde dieser Brunnen mitten in der Stadt aufgebaut.

- Als siebte und letzte Station erwartete uns vor dem Rathaus der Stadtarchivar Eckhard Möller als Amtmann Georg Diepenbrock, der vor 100 Jahren die Staatsmacht und Obrigkeit an der Ems verkörperte. Um den Schülern darzustellen um was sich ein Amtmann alles kümmern musste, wurde ein Streitgespräch inszeniert.

- Ilse Westerbarkei spielt die "arme" Ehefrau Katharina Drüe, die sich sehr überzeugend beim Amtmann Diepenbrock über ihren Ehemann beklagte. Leider vergebens, da dem Amtmann schon mehrere Klagen über Frau Drüe zu Ohren gekommen waren. Damit endete ein eindrucksvoller Rundgang, in dem Heimatgeschichte zum Anfassen dargeboten wurde.










